Die Wanderung zum Seealpsee ab Ebenalp wurde für uns am Ende viel mehr als einfach nur „eine schöne Hike“. Ursprünglich wollten wir zur Schäfler Ridge, aber als wir dort waren, war die Seilbahn wegen Wartungsarbeiten geschlossen. Also entschieden wir uns für Ebenalp und wow, was für eine schöne Wanderung! Die Schäfler Ridge ist ohne Zweifel ebenfalls unglaublich schön, aber der Seealpsee gehört definitiv auch auf deine Bucketlist. In diesem Blog erzähle ich dir warum.
Das ist so eine Wanderung, bei der einfach alles passt. Nicht extrem schwer, nicht übertrieben touristisch und auch keine Route, auf der man nur hinter anderen Wanderern herläuft, um einen einzigen Aussichtspunkt zu sehen. Gerade die Kombination aus Wald, Wasser, Höhenunterschieden und dem Moment, in dem sich die Landschaft langsam öffnet, macht diese Hike so besonders.
Wir liefen die Route Ende April an einem klaren Tag mit ungefähr 15 Grad. Wirklich perfektes Wanderwetter. Der Himmel war tiefblau, die Berggipfel noch voller Schnee und unten begann alles langsam wieder grün zu werden. Im Nachhinein vielleicht sogar eine der schönsten Zeiten zum Wandern hier – genau wegen dieses Kontrasts zwischen Winter und Frühling und weil es noch nicht zu voll ist.
Das liest du in diesem Blog
Start bei Ebenalp: einfach gut organisiert
Die Wanderung beginnt bei der Talstation der Seilbahn Richtung Ebenalp. Was uns sofort auffiel: Der Start hier ist total entspannt.
Kein kompliziertes Parkplatzchaos, keine lange Anlaufroute oder Stress bei der Suche nach dem richtigen Startpunkt. Du parkst ziemlich nah, läufst ein paar Minuten und stehst eigentlich direkt am Anfang der Hike.
Und ja, vielleicht nur ein kleines Detail … aber sogar die kostenlosen Toiletten am Start waren ordentlich gepflegt. Solche Dinge machen den Beginn eines Wandertages einfach angenehmer.
Ein kleiner Minuspunkt für mich als Tourist: Das Bezahlen des Parkplatzes lief nicht besonders gut. Die Apps, die man nutzen konnte, funktionierten bei mir nämlich nicht. Die einzige Alternative war Bargeld. Zum Glück hatten wir etwas Kleingeld dabei und konnten das Parken problemlos bezahlen. Trotzdem ist es praktisch, als Tourist immer etwas Münzgeld dabeizuhaben. Wir hatten vorher bei einem lokalen Supermarkt gewechselt.
Die ersten Meter sind noch ziemlich ruhig. In der Ferne hört man Kuhglocken, ab und zu einen anderen Wanderer und vor allem sehr viel Stille. Genau dieses typische Alpengefühl, das die Schweiz so gut kann.

Die Abzweigung: Hier entscheidet sich eigentlich, wie schön deine Wanderung wird
Nach ein paar Minuten Wandern kommst du an eine Abzweigung. Und ehrlich gesagt ist das vielleicht der wichtigste Punkt der ganzen Route.
Hier kannst du wählen zwischen:
- der Asphaltstraße
- dem Waldweg
Unser AirBNB-Host empfahl uns den Weg durch den Wald. Der Anstieg verteilt sich dort besser und die Umgebung ist deutlich schöner.
Die Asphaltstraße wirkt auf dem Papier verlockend. Kürzer, übersichtlich und direkt sichtbar. Nur: Sie geht sofort ziemlich steil bergauf und fühlt sich mehr nach „Höhenmeter sammeln“ an als nach echtem Wandern. Auf unserem Rückweg sahen wir dort wirklich Menschen kämpfen, um nach oben zu kommen.
Deshalb entschieden wir uns für den Waldweg links bergauf. Im Nachhinein absolut die richtige Wahl. Fast sofort verändert sich die Atmosphäre. Der Weg schlängelt sich zwischen den Bäumen nach oben und besteht aus einer Mischung aus Kies, Baumwurzeln, Steinen und manchmal etwas schmaleren Passagen.
Nicht technisch schwierig, aber spannend genug, um aktiv zu bleiben. Man muss gelegentlich kurz aufpassen, wo man hintritt, ohne dass es wirklich schwer wird.
Was uns besonders auffiel: Das Tempo fühlte sich hier automatisch angenehm an. Du läufst konstant bergauf, aber nirgendwo so steil, dass du alle paar Minuten stehen bleiben musst, um Luft zu holen.
Kleine Details machen diese Wanderung (über die Waldroute) so besonders
Was diese Route für uns besser machte als manche andere Wanderungen in der Schweiz, waren vor allem die kleinen Momente unterwegs.
Du läufst zum Beispiel ständig entlang von fließendem Wasser. Kleine Bäche, Schmelzwasser aus den Bergen und gelegentlich Stellen, an denen das Wasser buchstäblich direkt neben dem Weg nach unten rauscht.
Auf halber Strecke kommst du an einem Wasserfall vorbei, der sich über mehrere Ebenen nach unten ergießt. Nicht riesig oder weltberühmt, aber trotzdem schön auf dem Weg zum eigentlichen Ziel. Und was ebenfalls angenehm war:
Es fühlte sich nirgendwo extrem überlaufen an. Natürlich trafen wir andere Wanderer, aber das war ganz anders als bei manchen beliebten Hikes rund um Grindelwald oder Lauterbrunnen, wo man manchmal fast in einer Reihe läuft.

Der Moment, in dem sich die Aussicht plötzlich öffnet
Nach einiger Zeit verändert sich die Stimmung der Wanderung langsam. Du verlässt den Wald, läufst zwischen wunderschönen Bergen und erreichst langsam den Seealpsee, den du bestimmt schon oft online gesehen hast.
Plötzlich blickst du auf schneebedeckte Gipfel, während unten die grünen Täler sichtbar werden. Als wir dort waren, lag in manchen schattigen Bereichen noch Schnee neben dem Weg, während man gleichzeitig problemlos im T-Shirt wandern konnte. Genau das finde ich persönlich so cool am Frühlingswandern in der Schweiz.

Der Seealpsee: nicht riesig, aber genau richtig
Und dann erreichst du schließlich den Seealpsee. Der See liegt wunderschön zwischen steilen Bergwänden, mit Holzhütten direkt am Wasser und dahinter noch schneebedeckten Gipfeln. An windstillen Momenten spiegeln sich die Berge sogar im Wasser. Super schön für Fotos und natürlich perfekt, um einfach kurz zu genießen. Außerdem hast du damit den schwersten Teil der Hike geschafft!
Man merkt auch, dass dies für viele Menschen das Ziel der Wanderung ist. Manche laufen noch etwas weiter, aber die meisten drehen hier um oder machen eine Pause bei den Hotels und Restaurants am See.

Wenn du den See erreichst, kannst du entweder durch den Wald Richtung Hotels und Restaurants laufen oder zuerst links um den See herumgehen und dann über die andere Seite (die Asphaltstraßen-Route) zurücklaufen, um später doch noch auf einer Terrasse Platz zu nehmen – oder natürlich weiterzuwandern. Wir gingen kurz ins Restaurant für ein Erfrischungsgetränk, ein Fläschchen für unsere sechs Monate alte Tochter und eine frische Windel.
Wie schwer ist diese Wanderung wirklich?
Für uns liegt diese Hike genau in der perfekten Mittelklasse. Du bist wirklich aktiv unterwegs:
- ungefähr 7,5 bis 8 Kilometer
- etwa 2,5 bis 3 Stunden unterwegs
- inklusive eines ordentlichen Anstiegs
Aber nirgendwo wird es extrem schwer oder technisch anspruchsvoll. Du musst kein erfahrener Bergwanderer sein, solange du eine normale Kondition und gute Schuhe hast.
Der Rückweg: froh, dass wir diesen nicht bergauf gelaufen sind
Für den Rückweg wählten wir die Asphaltstraße. Und ehrlich: Da waren wir sehr froh, dass wir sie nicht für den Hinweg genommen hatten.
Der Weg ist nämlich ziemlich steil. Nicht technisch schwierig, aber beim Abstieg merkt man vor allem, wie sehr die Knie arbeiten müssen. Automatisch beginnt man ein wenig im Zickzack nach unten zu laufen, damit es angenehmer wird. Außerdem ist diese Route einfach weniger stimmungsvoll.
Du hast weniger Abwechslung, weniger Naturgefühl und bist hauptsächlich mit dem Abstieg beschäftigt. Für den Rückweg völlig okay, aber wir würden wirklich empfehlen, bergauf die Waldroute zu nehmen. Die Straße wird übrigens auch genutzt, um die Hotels und Restaurants zu versorgen.
Seealpsee mit Baby wandern: mit Trage absolut machbar
Wir machten diese Wanderung übrigens mit unserer sechs Monate alten Tochter in der Babytrage und das funktionierte überraschend gut. Gerade weil die Waldroute ziemlich gleichmäßig ansteigt, blieb das Wandern angenehm und wir mussten nirgendwo wirklich klettern. Unterwegs kamen wir auf halber Strecke an einem Hotel/Restaurant vorbei, wo man problemlos eine Pause für ein Getränk, einen Toilettenbesuch oder einfach eine kleine Erholung einlegen kann. Dadurch konnte man das Tempo schön entspannt halten. Einen Kinderwagen würden wir hier allerdings absolut nicht empfehlen. Besonders über die Asphaltstraße ist es ziemlich steil und man muss entweder stark bergauf drücken oder bergab ständig abbremsen. Mit einer Trage war das für uns wirklich deutlich entspannter.
Übernachten in der Nähe des Seealpsees
Wenn du diese Wanderung entspannt machen möchtest, ist eine Übernachtung in Appenzell oder rund um Ebenalp wirklich empfehlenswert.
Dann kannst du früh starten und die Route ist oft noch relativ ruhig. Und wenn du direkt am Endpunkt der Wanderung übernachtest, schläfst du natürlich an einem ganz besonderen Ort!
Aktivitäten in der Umgebung
Rund um Appenzell und Ebenalp gibt es noch viele weitere Wanderungen und Aktivitäten. Besonders wenn du Natur, Seilbahnen und traditionelle Schweizer Dörfer magst, kannst du hier problemlos mehrere Tage verbringen. Die bekannteste Wanderung ist natürlich die Schäfler Ridge.
Die Seealpsee Wanderung fühlte sich für uns genau nach dem an, was die Schweiz so gut macht. Nicht übertrieben spektakulär. Nicht extrem schwierig. Sondern einfach eine richtig schöne Hike mit einem wunderschönen Ziel als Belohnung – und dazu alles gut organisiert. Und natürlich kannst du diesen Tag perfekt mit der Seilbahn zur Schäfler Ridge kombinieren, die vom selben Parkplatz startet.

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