Manche Orte muss man sich ein bisschen „verdienen“. Die St. Beatus-Höhlen am Thunersee sind dafür ein gutes Beispiel. Du fährst nicht einfach hin und läufst direkt in eine Höhle. Erst kommen eine schmale Straße, die Wahl des Parkplatzes, ein Aufstieg nach oben und unterwegs schon die Aussicht über den See. Kurz schwitzen, aber danach darfst du in ein einzigartiges Höhlensystem hinein!
Wir besuchten die St. Beatus-Höhlen, wie sie in der Schweiz offiziell heißen, von unserem Chalet bei Interlaken aus. Schon die Route entlang des Thunersees war schön, mit dem blauen Wasser auf der einen Seite und den Bergen auf der anderen Seite. Einmal angekommen, beginnt der eigentliche Teil erst: hinauf zum Eingang der Höhle.
In diesem Blog teile ich unsere Erfahrung mit den St. Beatus-Höhlen, inklusive Tipps zu Parken, Tickets, Temperatur, Besuch mit Kindern, dem Aufstieg nach oben und Übernachten in der Nähe von Interlaken und dem Thunersee.
Das liest du in diesem Blog
Was sind die St. Beatus-Höhlen?
Die St. Beatus-Höhlen liegen oberhalb des Thunersees, in der Nähe von Interlaken. Es ist ein großes Höhlensystem, von dem ungefähr ein Kilometer für Besucher zugänglich ist. Du läufst durch beleuchtete Gänge, vorbei an Felsformationen, kleinen unterirdischen Wasserfällen und Wasserbecken, die manchmal schön spiegeln.

Die Höhlen gehören zu den größten zugänglichen Höhlen der Schweiz. Der Weg durch die Höhle ist gut angelegt, aber erwarte keine flache Museumsrunde. Du läufst durch schmale Gänge, über feuchte Wege und über Treppen. Laut offizieller Information läufst du insgesamt 297 Treppenstufen und überwindest 87 Höhenmeter während der Höhlenroute.
Was diesen Ort extra schön macht, ist die Lage. Der Eingang liegt hoch über dem See und der Wasserfall, der aus der Höhle kommt, macht den Weg nach oben sofort schöner. Du bekommst also nicht nur eine Höhle, sondern auch Aussicht, Wasser und ein bisschen Legende dazu. Von der Straße aus sieht man eigentlich kaum, dass die St. Beatus-Höhlen dort liegen, abgesehen von den Infotafeln.
Parken bei den St. Beatus-Höhlen
Wenn du von Interlaken kommst, siehst du entlang der Straße schnell parkende Autos. Das wirkte ehrlich gesagt etwas chaotisch. Wir fuhren bewusst weiter zum oberen Parkplatz, P1. Das war für uns eine gute Wahl: mehr Platz, ruhiger und übersichtlicher. Besonders weil wir noch unsere Baby in die Trage setzen mussten.
Parken kostet CHF 7 für ein Tagesticket. Es gibt zwei kostenpflichtige Parkplätze: einen unteren Parkplatz und einen oberen Parkplatz nahe beim Museum. Vom Parkplatz läufst du in ungefähr 5 bis 10 Minuten zum Eingang der Höhle. In der Hochsaison empfiehlt die offizielle Website, früh zu kommen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen.
Achtung: Bei uns brauchte man Münzgeld. Es gab auch eine App, aber die funktionierte bei uns nicht, weil sie nur für Schweizer Konten verfügbar zu sein schien. Wechselgeld kam auch nicht aus dem Automaten. Sorge also dafür, dass du passende Münzen dabei hast. Solche kleinen Dinge machen in der Schweiz manchmal genau den Unterschied zwischen entspannt ankommen und genervt neben einem Parkautomaten stehen. Willst du danach noch jemandem den Tag retten? Wir gaben unser Parkticket nach dem Besuch an ein anderes Paar weiter, das gerade ankam. Die Tickets sind nicht personalisiert und gelten für den ganzen Tag. Du legst sie einfach hinter die Windschutzscheibe.

Der Aufstieg nach oben: „The Easy Way“ ist optimistisch
Vom Parkplatz aus beginnt direkt der Aufstieg. Irgendwo steht ein Schild mit „The Easy Way“, aber ehrlich: Das ist ziemlich optimistisch. Du musst einfach ein ordentliches Stück bergauf laufen. Wenn die Beine fit sind, kannst du ruhig den Hard Way nehmen. Das ist eher treppenartig, der Easy Way ist mehr ein ansteigender Weg.
Wir kamen über einen kleinen Waldweg nach oben und trafen später auf die Hauptroute. Der Vorteil dieser Route ist, dass du am Wasserfall vorbeiläufst, der aus der Höhle kommt. Das macht den Aufstieg sofort viel schöner. Unterwegs hast du auch schon schöne Ausblicke über den Thunersee, also nimm dir ruhig Zeit. Aber hey, du kannst auch auf diesem Weg zurücklaufen. Dann hast du auch Aussicht und mehr Luft, um sie zu genießen.
Es ist keine schwere Wanderung, aber wenn du mit Baby, Kindern oder wenig Kondition unterwegs bist, spürst du sie schon. Besonders weil du danach in der Höhle auch noch Treppen und schmale Abschnitte hast. Wir fanden es gut machbar, aber es ist gut zu wissen, dass du nicht direkt vom Auto in die Höhle läufst. Vor allem, wenn du körperlich nicht so gut zurechtkommst.
Tickets und Öffnungszeiten
Oben angekommen kaufst du deine Tickets. Wir zahlten ungefähr CHF 20 pro Person, bekamen über unsere Unterkunft aber noch etwas Rabatt. Prüfe also immer kurz, ob dein Hotel, Campingplatz oder Chalet eine Gästekarte oder Rabattkarte hat.
Die St. Beatus-Höhlen sind das ganze Jahr geöffnet, aber die Öffnungszeiten unterscheiden sich je nach Saison. Im Sommer 2026 sind die Höhlen vom 28. März bis einschließlich 8. November geöffnet. Von Montag bis Donnerstag und am Sonntag sind sie von 09:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, am Freitag und Samstag bis 21:00 Uhr. Die Winteröffnung läuft 2026/2027 vom 21. November bis einschließlich 27. März, mit kürzeren Öffnungszeiten.
Das Museum ist in deinem Ticket enthalten und praktisch, wenn du mehr über die Höhlen, Geologie und die Legende erfahren möchtest. Wir kamen vor allem wegen der Höhle selbst, aber wenn du Zeit hast, würde ich das Museum auf jeden Fall kurz mitnehmen.

In der Höhle: kühler als du denkst
Einmal drinnen merkst du sofort: Das ist eine komplett andere Welt. Die Temperatur in der Höhle liegt das ganze Jahr über konstant bei 8 bis 10 Grad, mit hoher Luftfeuchtigkeit. Die offizielle Website nennt ungefähr 95 % Luftfeuchtigkeit. Das heißt also: An warmen Tagen ist es herrlich kühl, aber an frischen Tagen fühlt es sich ziemlich kalt an.
Nimm also immer eine Jacke oder einen Pullover mit, auch wenn es draußen warm ist. Und trage Schuhe mit Grip. Die Wege und Treppen können feucht und rutschig sein. Sneaker gehen gut, aber Flipflops würde ich hier wirklich nicht anziehen.

Unsere Erfahrung in den St. Beatus-Höhlen
Mit unserer 6 Monate alten Tochter in der Trage gingen wir hinein. Kinderwagen sind hier wirklich keine Option. Die Gänge sind schmal, aber gut begehbar. Manchmal sind sie niedrig, sodass ich mit meiner Größe regelmäßig den Kopf einziehen musste. Auch ist es an manchen Stellen nass und etwas rutschig.
Du läufst ungefähr einen Kilometer in die Höhle hinein und danach wieder zurück. Insgesamt bist du etwa eine Stunde mit der Höhlenroute beschäftigt. Das passt auch zur offiziellen Angabe von ungefähr 60 Minuten.
Was wir schön fanden, waren vor allem die kleinen Wasserfälle, die durch die Höhle fließen, die Stalaktiten, die Felsformationen und die spiegelnden Wasserbecken. Alles ist stimmungsvoll beleuchtet, wodurch manche Abschnitte fast etwas Magisches bekommen.
Ist es die spektakulärste Höhle der Welt? Nein, das würde ich auch wieder nicht sagen. Aber die Kombination aus dem Weg nach oben, der Aussicht über den See, dem Wasserfall draußen und der Route durch die Höhle macht es wirklich zu einer sehr schönen Aktivität.
Andrang und beste Zeit
Was uns aufgefallen ist: Auf dem Hinweg war es noch relativ ruhig, aber auf dem Rückweg kamen uns viele Menschen entgegen, die später hineingegangen waren. Weil du in der Höhle teilweise dieselbe Route zurückläufst, merkst du den Andrang sofort. Es gibt auch geführte Touren. Die können manche Abschnitte zusätzlich voller machen.
Deshalb würde ich früh am Morgen gehen oder später am Tag. Besonders im Sommer und an Wochenenden. Am Freitag und Samstag kannst du in der Sommersaison sogar bis später am Abend hinein, weil die Höhlen dann bis 21:00 Uhr geöffnet sind. Das stelle ich mir heimlich ziemlich schön vor und wahrscheinlich auch etwas ruhiger.
Bei starkem Regen kann die Situation anders sein. Die Höhlen sind grundsätzlich bei jedem Wetter geöffnet und gerade bei Regen ist der Wasserfall am Eingang besonders beeindruckend. Aber bei sehr starkem Regen kann es Ausnahmen geben. Prüfe also kurz den aktuellen Status, wenn das Wetter wirklich schlecht ist.

Die Legende von Sankt Beatus und dem Drachen
Die Höhlen sind nach Sankt Beatus benannt, einem Mönch, der hier laut Legende lebte. Die Geschichte erzählt, dass früher ein Drache in der Höhle gewohnt haben soll. Beatus soll diesen Drachen vertrieben haben und danach selbst als Einsiedler in der Höhle gelebt haben.
Ob das stimmt? Das lassen wir mal offen. Aber es gibt dem Ort auf jeden Fall extra Charakter. Besonders wenn du mit Kindern kommst, macht so eine Drachengeschichte eine Höhle sofort etwas spannender.
Nach der Höhle: Aussicht, Restaurant und Museum
Wenn du wieder draußen bist, musst du nicht direkt zurück zum Auto. Es gibt ein Restaurant mit wunderschöner Aussicht über den Thunersee. Außerdem gibt es einen Self-Service-Bereich für ein Getränk oder eine Kleinigkeit. Besonders an einem sonnigen Tag ist das ein schöner Ort, um sich kurz vom Aufstieg und der Höhle zu erholen.
Das Museum ist in deinem Ticket enthalten. Dort lernst du mehr über die Geologie des Höhlensystems und die Geschichte des Ortes. Es ist kein riesiges Museum, in dem du stundenlang herumläufst, aber wenn du sowieso oben bist, würde ich es kurz mitnehmen.
St. Beatus-Höhlen mit Kinderwagen oder wenn du weniger mobil bist
Ehrliche Antwort: Das ist kein idealer Ort mit Kinderwagen. Der Aufstieg nach oben ist anstrengend, drinnen gibt es Treppen und schmale Wege und es kann rutschig sein. Die offizielle Website sagt auch deutlich, dass die Route nicht barrierefrei ist und dass Kinderwagen und Rollstühle aus Sicherheitsgründen in der Höhle nicht erlaubt sind.
Mit einer Trage ist es gut machbar, so wie wir es gemacht haben. Du musst aber auf niedrige Stellen in der Höhle achten, besonders wenn du groß bist. Ich musste regelmäßig den Kopf einziehen und mit einem Baby in der Trage willst du nicht zu begeistert nach vorne stapfen.
Übernachten bei den St. Beatus-Höhlen
Du musst nicht direkt neben den St. Beatus-Höhlen schlafen, aber es ist praktisch, in der Nähe von Interlaken, dem Thunersee oder Goldswil zu übernachten. Dann kannst du die Höhlen gut mit Lauterbrunnen, Giessbach, Brienz oder anderen Stopps in der Jungfrau-Region kombinieren.

Unser Tipp: Kiwi Chalet bei Interlaken
Wir selbst schliefen im Kiwi Chalet – Mountain Views & Cozy NZ Vibes in Goldswil. Ein super schöner Ort mit einem kleinen Augenzwinkern Richtung Neuseeland, was wir natürlich extra schön fanden. Für uns war das eine angenehme Ausgangsbasis, weil du knapp außerhalb der Hektik von Interlaken bist, aber trotzdem überall schnell hinkommst.
Hotels rund um Interlaken und den Thunersee
Wenn du nah bei den Höhlen sitzen möchtest, kannst du nach dem Hotel Beatus schauen. Das liegt nah am Thunersee und den St. Beatus-Höhlen. Für mehr Komfort am See ist das BEATUS Wellness- & Spa-Hotel in Merligen eine luxuriöse Option am Ufer des Thunersees.
Bleibst du lieber in Interlaken, dann sind Hotel Krebs Interlaken, Hotel Lötschberg und Hotel Central Continental praktische Optionen. Interlaken ist voller, aber praktisch, wenn du viele Tagesausflüge machen möchtest.
Campingplätze bei Interlaken und am Thunersee
Campst du lieber? Dann bist du rund um Interlaken gut aufgehoben. Camping Manor Farm liegt direkt am Thunersee und hat Plätze für Zelte, Wohnwagen und Wohnmobile, dazu Mietunterkünfte und Zugang zu kleinen Badestellen. Der Campingplatz ist das ganze Jahr geöffnet.
Camping Lazy Rancho in Unterseen ist eine schöne Option, wenn du etwas ruhiger sitzen möchtest, mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau und Einrichtungen für Familien und aktive Reisende. Auch TCS Camping Interlaken ist praktisch, weil er an der Aare zwischen Thunersee und Brienzersee liegt.
St. Beatus-Höhlen mit der Region kombinieren
Die St. Beatus-Höhlen liegen ideal für einen halben Tagesausflug ab Interlaken. Du kannst sie mit einer Fahrt entlang des Thunersees, einer Bootsfahrt, einem Besuch in Thun oder anderen Naturorten in der Jungfrau-Region kombinieren.
Wir nutzten Interlaken/Goldswil als Ausgangsbasis und kombinierten in dieser Region mehrere Stopps. Denk an den Giessbach-Wasserfall, Meiringen, die Aareschlucht und natürlich Lauterbrunnen mit all den wunderschönen Wanderungen, Wasserfällen und Aussichten dort. Die Höhlen sind besonders schön an einem warmen Tag, weil es drinnen angenehm kühl ist, oder an einem schlechteren Wettertag, weil du größtenteils drinnen bist.
Praktische Tipps für deinen Besuch
- Nimm Münzgeld fürs Parken mit. Bei uns funktionierte die Park-App nicht und der Automat gab kein Wechselgeld.
- Fahr weiter zum oberen Parkplatz. Wir fanden P1 ruhiger und übersichtlicher als die Plätze entlang der Straße.
- Nimm eine Jacke oder einen Pullover mit. In der Höhle sind es das ganze Jahr 8 bis 10 Grad.
- Trage Schuhe mit Grip. Die Wege und Treppen können nass und rutschig sein.
- Geh früh oder später am Tag. Du merkst den Andrang schnell, weil du dieselbe Route zurückläufst.
- Kinderwagen lieber weglassen. Nimm besser eine Trage, wenn du mit Baby oder Kleinkind kommst.
- Plane extra Zeit für die Aussicht ein. Nur die Höhle dauert ungefähr eine Stunde, aber Aufstieg, Fotos, Restaurant und Museum machen schnell 1,5 bis 2 Stunden daraus.
Lohnen sich die St. Beatus-Höhlen?
Ja, besonders wenn du etwas anderes suchst als nur Berge und Aussichtspunkte. Die Höhle selbst ist schön, aber aus unserer Sicht liegt die Stärke vor allem in der Kombination: der Weg nach oben, der Wasserfall, die Aussicht über den Thunersee, die Höhle und die Geschichte von Sankt Beatus und dem Drachen.
Es ist nicht die spektakulärste Höhle, die du je sehen wirst, aber eine sehr schöne und abwechslungsreiche Aktivität. Besonders wenn du in der Nähe von Interlaken übernachtest, würde ich sie auf deine Liste setzen.
Für uns war es ein schöner Stopp von ungefähr 1,5 bis 2 Stunden. Genau lang genug, um wirklich etwas zu erleben, ohne dass du einen ganzen Tag dafür freihalten musst.

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